„Rotkäppchen und der böse Wolf“ zählt sicher zu den bekanntesten Märchen der Gebrüder Grimm. Das Stück, das wir am Mittwoch, dem 11.02. als Klassenzimmer-Theaterstück vom Marburger Landestheater im Deutschunterricht präsentiert bekamen, hatte aber so gar nichts mit dem traditionellen Märchen zu tun, in dem der Wolf als böses, gefährliches Tier beschrieben wird. Ganz im Gegenteil – im Theaterstück ging es darum, Kinder, die Sorge tragen wollen, aufeinander aufzupassen, auf die Nachbarschaft, die Tierwelt sowie die Flora und Fauna, für die Themen Umwelt bzw. Umweltschutz zu sensibilisieren.
In dem ca. 45-minütigen Stück ging es um die Hauptfigur Nano, der – ähnlich wie Rotkäppchen bei den Gebrüdern Grimm – mit einer roten Kopfbedeckung (hier: rote Basecap) gekleidet ist. Nano, der seine Oma besuchen will, geht durch den Wald, doch der ist voller Müll und so hat Nano Angst, dass sich die Tiere im Wald daran verletzen könnten. Deshalb beschließt er, den Müll einzusammeln. Bei seinem Streifzug durch den Wald trifft er auf den Bürgermeister namens Wolf und der erzählt ihm stolz, dass hier im Wald ein großes Einkaufszentrum gebaut werden soll, für das große Teile des Waldes gerodet werden sollen. Nano wird stinkwütend! Weiß er doch, dass 6679 verschiedene Tierarten diesen Wald als ihren Lebensraum brauchen! Warum die Haselmäuse, Hirschkäfer, Buchfinken, Feldhasen, Wölfe und viele andere verjagen aus ihrem Revier? Nano versteht die Erwachsenen nicht mehr. Sie können doch nicht so leben, als ob es einen Ersatzwald gibt. Und deshalb entwickelt er mit seiner Oma einen Plan: Sie rufen alle Menschen, die sie kennen – und dazu zählen auch wir, die Schülerinnen und Schüler der 6f (5e) – dazu auf, gemeinsam mit ihnen am nächsten Morgen um 8.00 Uhr den Wald zu besetzen und gegen die Rodung des Waldes zu demonstrieren. Alle laden noch mehr Leute ein, denken sich Sprüche aus, die sie bei der Demo rufen wollen, und stehen am nächsten Morgen pünktlich im Wald – um für das Wohl der Wälder, der Meere oder der Wölfe einzutreten. Die Demonstration ist sehr erfolgreich und alle sind voller Begeisterung dabei.
Nano – gespielt von Flamur Blakaj – und die Großmutter – verkörpert durch Bibiana Malay – verstanden es prima, die Schülerinnen und Schüler mit auf eine Entdeckungsreise durch den Wald zu nehmen. Das Theaterstück lud zum Mitmachen ein, sei es durch ein gemeinsames Gruppenpuzzeln gleich zu Beginn oder durch das Kreieren eigener Schlacht- bzw. Demonstrationsparolen im Verlauf des Stückes. Der gesamte Klassenraum wurde zur Bühne, was dazu führte, dass man immer mitten im Geschehen war.




In der Nachbesprechung, die von einem Theaterpädagogen des Marburger Landestheaters geleitet wurde, ging es dann um das Engagement der Schülerinnen und Schüler für die Umwelt, die Frage, warum Mensch überhaupt streiken oder demonstrieren, aber auch um Möglichkeiten, selbst einen (noch stärkeren) Beitrag für die Umwelt zu leisten. Ebenso konnten Fragen zu dem Stück geklärt bzw. in den Austausch mit den Schauspielern getreten werden. So interessierte sich beispielsweise ein Schüler besonders dafür, für was die beiden Schauspieler im realen Leben selbst demonstrieren würden.
Alles in allem hat den Schülerinnen und Schülern das Stück sehr gut gefallen und einige auch nachdenklich gestimmt. So manch einer musste sich kritisch eingestehen, dass er sich bisher kaum Gedanken über die Umwelt gemacht und einen noch zu geringen Beitrag zum Erhalt von Flora und Fauna leistet. Gute Ideen, was man noch besser machen könnte, gab es viele – jetzt heißt es: „Ran an die Umsetzung!“.
Frau Kiel mit Tim Kottke und Laura Peters (beide 6f)