Dr. Martin Gudd referierte beim Forum Rabanus Maurus
Beim Forum Rabanus Maurus lässt der Förderverein „Wir Freunde des Domgymnasiums e. V.“ regelmäßig ehemalige Schülerinnen und Schüler zu Wort kommen, um mit der Schulgemeinde und der interessierten Öffentlichkeit in den Austausch zu treten. Ende März war in diesem Rahmen der Medienmeterologe Dr. Martin Gudd (Abitur 1983) zu Gast in der Aula des Domgymnasiums, wo er durch den Vorsitzenden des Fördervereins, Prof. Dr. Carsten Schütz, herzlich begrüßt wurde.
Dr. Gudd drückte zunächst seine Freude darüber aus, seine alte Schule besuchen zu dürfen. Dann stieg er mit passenden Medienschlagzeilen der letzten Jahrzehnte in seinen Vortrag zu Wetterphänomen in Zeiten der Klimaerwärmung ein. Dabei verdeutlichte er schnell, dass der Begriff Klimaerwärmung eigentlich passender ist als der häufig verwendete Terminus Klimawandel. Dass diese Erwärmung schon viel früher begonnen hat als viele annehmen, zeigte Dr. Gudd anschaulich an der hessischen Mitteltemperatur im Zeitraum von 1881 bis 2025. Im Diagramm war klar zu erkennen, dass die früher singulären Hitzejahre seit den 1980er Jahren zunehmend kumuliert auftreten. Der Referent verwies im behandelten Zeitraum auf zwei „Kipppunkte“ (1988 und 2018) die bereits überschritten seien. Überhaupt komme die Klimaerwärmung schleichend und treppenförmig daher. Folgen seien eine höhere Durchschnittstemperatur, heißere Sommer und mildere Winter. Auch das gehäufte Auftreten von Waldbränden, Dürreperioden, Unwettern und Hochwasser sei eine Folge der Entwicklung, die laut Dr. Gudd durch Treibhausgase wie CO2 und Methan menschengemacht sei.
Für die gemäßigten Breiten führe dies dazu, dass der früher normale Wetterwechsel nach 48 Stunden heute nicht mehr stattfinde. Dies führe zu dauerhaften Hochs und trockenen Zeiten. Das mag in Kombination mit einer höheren Mitteltemperatur sicher einige freuen, führt es doch zu einem mediterranen Klima, dass sich mittlerweile auch nördlich der Alpen eingestellt habe. So gehörten die gemäßigten Breiten zu den „Gewinnerregionen“ der Klimaerwärmung. Es müsse allerdings im Blick behalten werden, dass es eben auch „Verliererregionen“ gebe. Zu denen gehöre zum Beispiel die Arktis, die Temperaturanstiege von bis zu 30 Grad verkraften müsse. Auch der globale Süden sei betroffen, was Auswirkungen auf die gemäßigten Breiten habe. Und das Ende der Erwärmung sei nicht abzusehen, selbst wenn die Weltgemeinschaft sofort mit geeigneten Maßnahmen umsteuern würde. Hier wählte Dr. Gudd das Bild eines schwerfälligen Tankers, der nur sehr langsam auf Steuerimpulse reagiert. Die Klimaerwärmung könne durch die Menschen also nur mittel- bis langfristig beeinflusst werden.
In der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde stand neben der Rolle der Sonne vor allem die Frage im Zentrum, was man angesichts der oben beschriebenen Entwicklung tun könne, um der Problematik entgegenzuwirken. Hier verwies Dr. Gudd auf die Nutzung klimafreundlicher Energiequellen, Elektromobilität und die Veränderung der eigenen Lebensweise. Auch die intelligente Anpassung an die Klimaerwärmung, z. B. durch Hitzepläne, Zisternen und die Bepflanzung von Stadträumen sei sinnvoll.
Nach den Dankesworten von Prof. Dr. Schütz klang die Veranstaltung bei einem Umtrunk im Foyer des Domgymnasiums gesellig aus. Viele Gäste nutzen hier die Gelegenheit mit dem Referenten ins persönliche Gespräch zu kommen.
Bastian Michel