9. November 1938: Während der Reichspogromnacht stand auch in Fulda die Synagoge in Flammen. Trotz Anwesenheit der Feuerwehr wurde nichts unternommen, um den Brand zu löschen, da die anwesenden Rettungskräfte lediglich dafür sorgten, dass der Brand nicht auf die umstehenden Häuser übergriff, was letztlich zur vollständigen Zerstörung der Synagoge führte.

Dort, am Standort der ehemaligen Synagoge, begann am 27.05. unsere Führung mit Frau Anja Listmann, der Beauftragten für das jüdische Leben der Stadt Fulda. Mit ihr begaben wir uns auf die Spuren der jüdischen Gemeinde und ihrer Geschichte während des Nationalsozialismus. Am Standort der ehemaligen Synagoge am Stockhaus (vormals: Judengasse), bot sich uns die seltene Gelegenheit, die freigelegten Überreste der Mikwe, des jüdischen Ritualbads, zu besichtigten, in der derzeit archäologische Forschungen getätigt werden.

Auf unserer Spurensuche führte uns Frau Listmann anschließend weiter zum jüdischen Gemeindezentrum, welches bis in die Nazizeit als Schule genutzt worden war. Weiter ging es dann zum alten jüdischen Friedhof, der lange nicht mit der Achtung behandelt wurde, die ihm eigentlich zusteht. So wurde ohne Rücksicht auf den Ort in den 1950er Jahren das alte Zollhaus auf dem Grundstück errichtet. Als Kompromiss musste allerdings ein Gebetsraum am tiefsten Punkt eingerichtet werden. Diese kleinste und am wenigsten genutzte Synagoge Deutschlands kennen selbst viele Fuldaer nicht.

Daher danken wir Frau Listmann für ihre sehr interessante Führung auf den Spuren der jüdischen Gemeinde und freuen uns zu hören und zu sehen, dass ein Großteil des ehemaligen jüdischen Friedhofs nun ehrenvoll und entsprechend der Würde und der Geschichte des Ortes wieder hergestellt wird.

Frieda Ernst, Pauline Kraft und Zoe Kuhr

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